Grillen mit meinem Dad

Ah, Sommer (mehr dazu mit unserem Mango Curcuma), Sonne, Sonnenschein. Endlich wieder den Grill rausholen und schön Würstchen, Steak und was sonst noch alles über die Glut muss grillen!

Grillen hatte in meiner Familie einen … sagen wir mal besonderen Stellenwert. Mein Dad war noch von der Generation „was von alleine kommt, geht auch von alleine weg“ und war Grill-Enthusiast mit sagen wir mal seinen eigenen Regeln und Vorstellung beim Grillen. Daher will ich die wichtigsten 4 Regeln mit der Nachwelt teilen.  

Grillsaison eröffnen! Jahrelang war es sein Highlight, wenn er die „Grillsaison“ endlich eröffnen konnte. Nach schwer nachvollziehbaren Regeln wurde irgendein Samstag mit Alibi-Sommerwitterung auserkoren, der heilige Tag der feierlichen Eröffnung der Grillsaison zu sein. Grill raus, Regen ist auch egal und Fleisch drauf. Meistens hat es so 1-2 Grillsessions gebraucht, wieder zur alten Form zu finden und in der Zwischenzeit gab es halt angekohltes oder schon fast kaltes Gegrilltes. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber in späteren Jahren wurde diese goldene Regel dann gekippt und die Grillsaison dann überhaupt nicht mehr „ausgeläutet“. Das ganze Jahr wurde zur Grillsaison deklariert, egal welche Temperatur, egal welche Witterungsverhältnisse, man kann auch unter dem Vordach der Garage grillen. Noch ein paar Jahre später hat mein Vater dann gar keine Gefangenen mehr gemacht und sein Grill-Game richtig ausgerollt – bis zu 3x in der Woche wurde gegrillt. Über Jahre hinweg gab es immer, immer kaltes Gegrilltes im Haushalt meiner Eltern und ich kann festhalten, dass nach Jahren kalter, alter Würstchen etc. die eigene Lust auf Gegrilltes einen langsamen aber unvermeidlichen Tod stirbt. Erst Jahre nachdem ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, konnte ich langsam wieder eine Leidenschaft fürs Grillen entwickeln. 

Kein Fisch auf meinen Grill! Ich bin mir nicht sicher, ob er diese Regel irgendwann einmal von Ed Bundy übernommen hatte, aber Fisch gehörte nicht auf den Grill. Egal, was meine Mutter an Ideen und Rezepten rankarrte, sein beharrliches „Neeeeiiiinnnn“ klingt bei mir immer noch im Ohr. Aber mein Vater war auch ein Konsument, wie er im Buche stand, und so musste die eiserne Regel weichen, als er bei Tschibo kleine Grillroste speziell für Fisch und in Fischform, natürlich stilecht mit Kopf und Flossen, gefunden hatte! Absolute Begeisterung auf seiner Seite und natürlich mussten die Dinger gleich angeschafft und ausprobiert werden, sogar mit Fisch! Aber leider musste er einsehen, dass ein schicker Rost auch maximal die halbe Miete ist und so wurde das Fischexperiment schnell ad acta gelegt und in späteren Jahren sogar komplett verleugnet: „Fisch kommt da nicht rauf!“ 

Grill muss man nicht reinigen! Quatsch, wozu auch? Der wird ja mit den Jahren (!) immer besser. Naja, um fair zu sein, muss man sagen, dass er den Rost des Grills vor jedem Grill doch intensiv gereinigt hat. Aber nicht z.B. mit Schwamm oder Bürste, sondern mit seinem uralten Grill-Dreizack. Mit dem hat er wie wild 5 Minuten auf dem Rost rumgekratzt hat, um dann einen Schritt zurückzutreten, die Gesamtsituation des Grills fachmännisch zu prüfen (manchmal scheint der Grill dann doch noch eine extra 5sec Runde der Kratzerei benötigt zu haben) und dann stolz zu verkünden: „So, fertig isser!“. Ich habe in all den Jahren keinen Unterschied zwischen vorher und nachher sehen können, aber das lag wohl an mir. „Weil Du halt zu doof bist!“ war seine Standardreaktion, wenn ich ihn auf den fehlenden Vorher-Nachher-Effekt angesprochen habe. 

Grillen nur mit Alkohol (Moonshine erst recht)! Genau, Alkohol gehört zum Grillen dazu! Ja mehr Zuschauer es gibt, z.B. auf Geburtstagsfesten, desto näher wurde der Tisch mit Pils und Kurzen an den Grill gezogen und desto länger dauerte das Grillen. Als goldene Regel galt, dass mein Vater, meine Onkel und mein Großvater über Schnack und Alkohol das Grillen häufig vergessen hatten. Ende vom Lied, meine Mutters zeitliche Abendplanung war den Bach runter und trotz mehrfacher Ermahnungen kam vor 21:30 Uhr nichts auf den Tisch – und dann auch leider eher halbkalt, aber das war dann eigentlich auch schon egal… 

Aber trotz aller Eigenheiten und Imperfektionen war meines Vaters Ruf als Grillmeister über die Grenzen unseres Grundstücks hinweg unantastbar. Ich denke, ein Großteil hat damit zu tun, dass kaltes Gegrilltes für meine schwer angetrunkenen Freunde bzw. die meines älteren Bruders nachts nach dem Feiern ein sehr verlässlicher Retter in der Nacht war. 

Vorheriger Post